Psycho
Details

Einer der mutigsten Momente in der Geschichte des Kinos verbirgt sich im Schild eines bescheidenen Motels, das im Neonlicht erstrahlt, auf einer verlassenen Straße im Regen. Alfred Hitchcocks Meisterwerk von 1960 ist viel mehr als nur ein Thriller; Es ist einer der Grundpfeiler des modernen Horrorkinos, sogar ein Manifest. Obwohl die Geschichte oberflächlich wie eine Detektivgeschichte über die Verfolgung einer entflohenen Frau wirkt, entführt Hitchcock das Publikum in viel tiefere Gewässer. Moralische Grenzen, wie schnelle Entscheidungen Menschen in einen Strudel ziehen, und die Last des Gewissens werden von den ersten Minuten des Films an auf den Schultern des Publikums lasten. Wenn Marion Cranes Reise beginnt, hat man das Gefühl, mit ihr unterwegs zu sein; Sie spüren die Anspannung, das Bedauern und die Angst wie ein Zittern auf Ihrer Haut. Wenn Sie Bates Motel erreichen, öffnet sich der Film in einer völlig anderen Dimension. Mit der meisterhaften Interpretation von Anthony Perkins entpuppt sich Norman Bates als einer der komplexesten Charaktere, die jemals ins Kino eingraviert wurden. Man kommt nicht umhin zu fragen, was sich hinter seiner schüchternen, sanften, zerbrechlichen Erscheinung verbirgt. Das seltsame Unbehagen, das er verspürt, während er Sie in seinem von Vögeln umgebenen Büro beobachtet, schlägt in den folgenden Minuten in Angst um. Es ist kein Zufall, dass Hitchcock das Schwarz-Weiß-Bild bevorzugte. Diese Wahl ist sowohl eine Möglichkeit, die Zwänge der Zeit zu überwinden, als auch die einfachste Form, die moralische Ambiguität zwischen Schatten und Licht zu visualisieren. Bernard Herrmanns Partitur, die auf diesen scharfen Streichinstrumenten basiert, ist unvergesslich, wenn man sie einmal ins Ohr eingeprägt hat; Einige Notizen sind mittlerweile Teil unseres kollektiven Gedächtnisses. Auch hinsichtlich der Erzählstruktur sprengt der Film die Erwartungen. Es zerstört nach und nach alles, was das Kinopublikum bisher gelernt hat, seine Zufluchtsorte, die gewohnten Erzählkonventionen, und lässt einen allein in einer Welt, in der andere Regeln gelten. Deshalb bleibt die Wirkung, die es auf diejenigen auslöst, die es zum ersten Mal sehen, auch nach mehr als sechzig Jahren unverändert. Psycho spricht nicht nur Horrorliebhaber an, sondern auch alle, die neugierig sind, was Kino als künstlerische Sprache leisten kann. Sie können nach dem Ansehen für eine Weile auf das Duschen verzichten; Das ist normal.
US

Shamley ...
Medien

Besetzung










Autoren & Regisseure
Psycho Filmreihe Sammlung




Bewertungen
Kalla Malla
12 Kasım 2012
/10
Nachdem Marion Crane (Janet Leigh) 40.000 Dollar aus der Firmenkasse unterschlagen hat, flüchtet sie in Richtung Kalifornien, um sich mit ihrem Verlobten Sam Loomis (John Gavin) zu treffen. Unterwegs macht sie Rast in einem einsamen Motel, dessen Leiter, der schüchterne Norman Bates (Anthony Perkins), ihr leise Avancen macht. Doch dessen Mutter hält offensichtlich nichts von Bates Annäherungsversuchen und will anscheinend ihren Sohn vor weiblichen Versuchungen fernhalten. Als Marion an ihrem Zie...
l nicht ankommt, erscheinen Sam, ihre Schwester Lila (Vera Miles) und Versicherungsdetektiv Milton Arbogast (Martin Balsam) vor Ort, um Erkundigungen anzustellen... Für nur 800000 Dollar gedreht, produziert im Stil seiner Fernsehserie (und mit deren Team), entwickelte sich »Psycho« zum erfolgreichsten und vielleicht berühmtesten Film von Alfred Hitchcock. Berühmt vor allem wegen seiner suggestiven Kraft, seiner perfekten Manipulation des Zuschauers, der durch die Struktur des Films zum Voyeurismus gezwungen wird und einen Mord unter der Dusche miterlebt, wie er brutaler in der Filmgeschichte noch nicht vorgekommen war. Bis heute ist diese Sequenz Gegenstand filmtheoretischer Auseinandersetzungen und Analysen. Ihre Konzeption stammte von dem Titelentwerfer Saul Bass, von Hitchcock wurde sie durch das in den Körper eindringende Messer und das in den Abfluß laufende Blut erweitert und in ihrer grausamen Wirkung verstärkt. Für die Zensoren (und für Hitchcock) wesentlich bedeutsamer aber war die Szene, in der Marion einige Papierschnipsel in die Toilette wirft und hinunterspült. Bis dahin war es im Hollywood-Kino streng verpönt, eine Toilette zu zeigen oder ihr Geräusch zu bringen. Doch »Psycho« ist auch unübertroffen in seiner filmischen Form, reinstes Oberflächenkino, ein Spiel mit den Zeichen der (Film-)Kultur, ein virtuoses Kunststück. »In »Psycho« kam es mir kaum auf das Sujet an, auch nicht auf die Personen. Worauf es mir ankam, war, durch eine Anordnung von Filmstücken, Fotografie, Ton, lauter technische Sachen, das Publikum zum Schreien zu bringen. Ich glaube, darin liegt eine große Befriedigung für uns, die Filmkunst zu gebrauchen, um eine Massenemotion zu schaffen. Und das haben wir mit »Psycho« geschafft. Er hat keine Botschaft, die das Publikum interessiert hätte. Auch keine besondere schauspielerische Leistung hat es bewegt. Und es gab auch keinen besonders angesehenen Roman, der das Publikum gepackt hätte. Es war der reine Film, der die Zuschauer erschüttert hat. (...) Und deshalb bin ich bei »Psycho« auch so stolz darauf, daß dieser Film uns Filmemachern gehört, Ihnen und mir, mehr als alle anderen Filme, die ich gedreht habe« (Truffaut/Hitchcock). »Psycho«, das ist auch eine Art Schule des Sehens. Überall Blicke, mißtrauische, leere, neugierige. Die Augen des Straßenpolizisten werden durch eine dunkle Brille unsichtbar, die des Privatdetektivs (= »Privat eye«) von der »Mutter« ausgestochen. Der Blick der toten Marion ist ebenso starr wie der des wahnsinnigen Norman. Das Starren in Hitchcocks »Psycho« (wie auch an den Enden so vieler seiner Fernsehspiele) ist nicht nur ohne moralisches Sehvermögen - es ist ein Vorspiel, dem der Tod folgt. Deswegen schaut Perkins der Leigh durch den Wandspion zu, während sie sich zum Duschen entkleidet. Und um sich Zugang zu dem verborgenen Spion in der Wand zu verschaffen, nimmt er ein Gemälde herab, das die berühmte biblische Geschichte der Susanna im Bad zeigt — die Geschichte einer Frau, die im Bad von Voyeuren überfallen wird, deren Leidenschaften dadurch erregt worden waren, daß sie ihr zunächst beim Auskleiden zum Bad heimlich zugeschaut hatten. »Die künstlerische Darstellung von Voyeurismus und sexueller Ausbeutung wird, in der Welt des Films, durch die direkte Aktion ersetzt, und der Mord mit dem Messer ist deshalb bewußt als stilisierte Vergewaltigung inszeniert« (Daniel Spoto). Hitchcock benutzte den äußeren Rahmen einer Kriminalhandlung - Diebstahl, Mord und Aufklärung - und gestaltete daraus den definitiven Alptraum des Kinos. Die nachfolgenden Generationen von Filmemachern haben sich von diesem Schock noch nicht erholt. Als makaberen Scherz hatte Alfred Hitchcock seinen Film geplant, und als Beweis, dass man auch ohne viel Aufwand einen hochklassigen Horrorschocker machen kann. Doch »Psycho« war und ist viel mehr als das. »Psycho« hat die Filmlandschaft für immer verändert, für einen Kulturschock gesorgt und wird heute noch öfter analysiert, besprochen und imitiert als jeder andere Film. Ein Werk wie PSYCHO kann man gar nicht überschätzen. Verzweifelt sucht der Zuschauer nach einer Identifikationsfigur im Film, die es aber aufgrund der sprunghaften Filmhandlung nicht gibt. Hitchcock erzählt die Geschichte einer Diebin (Janet Leigh), bricht dann unvermittelt ab, jagt dem Zuschauer einen Mordsschrecken ein, beseitigt die Diebin und bietet ihm nur einen seltsamen jungen Mann namens Norman Bates (Anthony Perkins) an, der sich dann auch noch als Psychopath entpuppt. Hitchcock spielt auf dem Publikum wie auf einer großen Orgel und hat seine Freude daran, wie es von einer Ohnmacht in die nächste fällt und nach den üblichen Sicherheitsvorkehrungen sucht, die ihm Hitchcock alle vorenthält. Obwohl »Psycho« ganz und gar Hitchcock zugeschrieben wird, soll nicht unerwähnt bleiben, dass er sich recht eng an die Romanvorlage von Robert Bloch hält, der Die Geschichte mit allen Wendungen vorgab. Hitchcock drehte in Schwarzweiß, weil er die Zuschauer mit dem Blut der brühmten Duschszene nicht überfordern wollte, trotz seiner Schlichtheit gehört »Psycho« aber visuell zu den erstaunlichsten, dichtesten Filmen aller Zeiten. Seine Verbindung von klassischen Gothic-Motiven (das alte Haus, Gewitter, ausgestopfte Vögel mit glotzenden Augen) und alltäglichem Realismus (Sex in der Mittagspause, Leigh im BH, Großaufnahmen einer Toilette) war zuvor nie dagewesen. »Psycho's« Themen sind Hitchcocks Lieblingsthemen - Voyeurismus, kriminelle Energie im Jedermann, Vögel, Augen, geteilte Leinwände, übertragene Schuld, unbearbeitete Traumata der Vergangenheit. Inzest und Nekrophilie werden suggeriert, mehr war nicht möglich. Die Kritiker mochten »Psycho« nicht besonders, das Publikum liebte ihn und sorgte dafür, dass der Film zu Hitchcocks größtem Hit wurde. Anthony Perkins feierte seinen Durchbruch und war fortan auf die Rolle des Neurotikers festgelegt, oft übersehen wird die sensationelle Leistung von Janet Leight als unglücklicher Diebin. Auch die ruppige Vera Miles wird gern unterschätzt. Komponist Bernard Herrmann lieferte zu dem Schwarzweißfilm eine brachiale Schwarzweiß-Musik (sein Orchester besteht nur aus Streichern), die heute noch imitiert wird und aus der Filmgeschichte nicht wegzudenken ist. Wenn man dem Film etwas vorwerfen möchte, dann höchstens die Tatsache, dass er vielleicht etwas gemächlich erzählt wird und man ihn an der ein oder anderen Stelle doch etwas hätte straffen können. Doch große Längen gibt es zum Glück nicht und hier ist, wie gesagt, Atmosphäre und Stimmung wichtiger als die Handlung. »Psycho« ist ein Film, in dem sich alle Elemente kongenial zu einem einmaligen Erlebnis zusammenfügen, und er ist doch mehr als die Summe seiner Teile. Der Film kann heute noch so erschüttern wie seinerzeit, heute kann man aber auch seinen schwarzen Humor wahrnehmen. Hitchcocks Augenzwinkern ist in jeder Minute spürbar. Wir sind alle nur seine Marionetten. So will er uns haben, so wollen wir gerne sein. Fazit: Brillantes, genial inszeniertes, atmosphärisch dichtes und im höchsten Maße spannendes Meisterwerk, eines großartigen Regisseurs. Danke Alfred!
Berny23
18 Eylül 2023
8/10
Ein gegen Ende ziemlich spannender Thriller, von dem ich glücklicherweise bis auf die berühmte Duschszene nichts vorweg wusste. Heute schockt einen diese Stelle zwar überhaupt nicht mehr, das muss in den 60ern aber für Tumult im Kinosaal gesorgt haben. Sogar ein, zwei Überraschungsmomente, die man mittlerweile als Jumpscares bezeichnen könnte, gab es. Was die Geschichte für mich so genial und spannend gemacht hat, war der inszenierte Zwiespalt zwischen „Ist es das, was ich denke?“ und „Nein, ...
vielleicht doch nicht“. Das gewisse Etwas an diesem Film hat mir noch gefehlt, ich kann es aber nicht genau benennen. Gesehene Fassung: Uncut 4K UHD HDR Blu-ray mit deutscher Synchro Gesehen als Teil der Liste „101 Films You Must See Before You Die“.
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Häufig Gestellte Fragen
Psycho wurde im Jahr 1960 veröffentlicht.
Psycho hat eine Laufzeit von 1 Std 49 Min (109 Minuten).
Psycho gehört zu den folgenden Genres: Horror, Thriller, Mystery.
Psycho hat eine Bewertung von 8.4/10 bei 11.042 Stimmen auf TMDB.
In Deutschland ist Psycho verfügbar auf: Apple TV Store, Amazon Video, Google Play Movies, YouTube, Sky Store.